Worauf Hinterbliebene bei der Bestatterwahl achten sollten
Bestatter und Bestsellerautor Eric Wrede schildert, wie Angehörige unzuverlässige Anbieter seiner Branche frühzeitig erkennen können. Er rät dazu, ein Bestattungsinstitut persönlich aufzusuchen und offen anzusprechen, dass man die verstorbene Mutter vor der Beisetzung noch einmal sehen möchte. Wenn der Bestatter daraufhin nahelege, die Verstorbene lieber so in Erinnerung zu behalten, wie sie zu Lebzeiten war, sei das für Wrede ein Hinweis darauf, das Institut umgehend zu verlassen. Solche Reaktionen deuteten darauf hin, dass man keinen Einblick in die tatsächlichen Abläufe erhalten solle.
Ein weiteres Beispiel sei der Wunsch, die Mutter im Lieblingskleid zu bestatten. Wenn der Bestatter stattdessen versuche, eigene Totenhemden zu verkaufen, gehe es nach Wredes Einschätzung zu sehr um Absatzinteressen. Zwar müsse auch ein Bestatter wirtschaftlich arbeiten, doch dürfe dies nie Vorrang vor der individuellen Trauer der Angehörigen haben.
Wrede weist zudem darauf hin, dass man beim falschen Bestatter sogar auf problematische Vorgehensweisen treffen könne. Auf die Frage, ob manche Kollegen versuchen würden, einen starren Körper mit Gewalt in den Sarg zu legen, erklärt er, dass der menschliche Körper in der Leichenstarre zunächst nicht beweglich sei. Diese beginne rund zwei Stunden nach dem Tod im Gesicht, breite sich über den Körper aus und erreiche nach sechs bis zwölf Stunden ihren Höhepunkt. Erst nach etwa 36 Stunden lasse sie nach und könne dann vorsichtig gelöst werden. Wenn ein Bestatter zu früh komme und zusätzlich unter Zeitdruck stehe, könnten unschöne Situationen entstehen. Optimal sei es daher, später wiederzukommen und den Angehörigen offen zu erläutern, was genau getan werde. Das Risiko, auf einen solchen Anbieter zu treffen, sei jedoch gering; Wrede schätzt den Anteil problematischer Kollegen auf lediglich rund zwei Prozent.
Unbesorgt zeigt sich Wrede hingegen beim Thema preisgünstiger Bestatter. Er betont, dass es völlig legitim sei, über Kosten zu sprechen. Eine Bestattung inklusive Friedhof, kleiner Trauerfeier und Grabstein liege im mittleren bis höheren vierstelligen Bereich. Discounter seien erlaubt, aber nicht immer automatisch die günstigste Option, da Preise auch rechnerisch attraktiv dargestellt werden könnten. Einzig sogenannte Formen des Leichentransports über weite Strecken lehnt Wrede strikt ab. Wenn Verstorbene quer durch das Land gefahren würden, nur weil ein ausländisches Krematorium geringfügig billiger sei, steige für ihn das Risiko, nicht nachvollziehen zu können, wie mit der verstorbenen Person tatsächlich umgegangen werde.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Neue Osnabrücker Zeitung/Veröffentlicht am 11.11.2025